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Arabische Intellektuelle wollen Grass unterstützen

15.09.2006

Feuilleton - Seite 25

BLZ

Prominente arabische Intellektuelle haben ihre Solidarität mit Günter Grass bekundet. Am Montag druckten arabische Tageszeitungen, darunter das liberale Blatt Al-Hayat, das in London und Beirut erscheint, ihr Manifest. Grass' Bekenntnis, bei der Waffen-SS gewesen zu sein, sei ehrlich und couragiert zu nennen. Die "Kampagne" gegen ihn solle die Aufmerksamkeit von den israelischen Verbrechen in Palästina und Libanon ablenken. Kritik am Nationalsozialismus solle sich gegen die Israelis richten - jene "Neo-Nazis", die Palästinenser und Libanesen töteten. Zu den Unterzeichnern des Manifests gehören etwa der ägyptische Romancier Gamal Al-Ghitani, der Leiter des ägyptischen Obersten Rates für Kultur Jabir Asfur und die in Berlin lebende irakische Lyrikerin Amal al-Jubouri. Das Manifest zeuge von völliger Unkenntnis der deutschen Debatte wie auch von Grass' Eintreten für das Existenzrecht Israels, kommentierte die Nahostexpertin Mona Naggar in der Neuen Zürcher Zeitung. Sonja Hegasy vom Berliner Leibniz-Zentrum Moderner Orient nannte den Aufruf "ein Trauerspiel"; er zeuge vom "Konkurrenzkampf um den Opferstatus in der arabischen Welt". (BLZ)